Analoges Denken und generative Meetings als Lösungswege im VUCA-Business

Wann ist der richtige Moment für den Einsatz von Intuition im Unternehmen? In welchen Situationen ist die Intuition angemessen – wann eher die Ratio? – Diese Frage wird uns häufig gestellt, wenn wir für mehr Intuition im Unternehmen werben. Wer mehr Intuition wagen will, muss den richtigen Moment abpassen. Generative Meetings sind dazu die geeignete Gelegenheit. Was diese Meetings auszeichnet, erfahren Sie in diesen Rauchzeichen.

Unser Impuls zum Minimalismus – von Nomaden lernen hat Autorin und bekennende Nomadin Barbara Messer zu einem Gastbeitrag inspiriert, dem wir gerne Raum geben.

Viel Vergnügen beim Lesen.

Eike Reinhardt & Daniel Goetz

Eike Reinhardt & Daniel Goetz

Analoges Denken und generative Meetings als Lösungswege im VUCA-Business

Bereits in früheren Versionen der Rauchzeichen hatten wir auf den globalen und hochaktuellen Trend VUCA hingewiesen.

VUCA ist ein Begriff, der die zunehmende Komplexität und Schnelligkeit der Business-Welt beschreibt (hier weitere Erläuterungen zum VUCA-Begriff).

Doch nicht alle Branchen oder Unternehmensbereiche sind gleichermaßen von der „VUCAisierung“ betroffen. Es gibt auch immer noch Felder, die vorhersagbar und planbar sind. Sowohl die VUCA-Welt wie auch die letztgenannte „Planungswelt“ sind in der Unternehmensrealität anzutreffen. Für beide Welten braucht es unterschiedliche Lösungswege. In der Planungswelt ist digitales Denken sinnvoll und zielführend. In der VUCA-Welt wäre ein solches Verhalten töricht.

Digitales Denken

Digitales Denken

Digitales Denken zeichnet sich aus durch ein Streben nach:

  • Zahlen, Daten, Fakten
  • klaren Antworten
  • eindeutige Entscheidungen („Richtig oder falsch?!“)

Das Problem: Hierzu ist viel Wissen über den Kontext nötig. In der Realität ist dies in aller Regel nur über einen kurzen Zeithorizont möglich.

 

 

Analoges Denken

Analoges Denken

Demgegenüber stehen die Bedingungen der VUCA-Welt, in der analoges Denken erfolgversprechend ist. Analoges Denken

  • akzeptiert die „Unschärfe“ der Realität
  • erlaubt „Man weiß es nicht genau“ als akzeptable Antwort
  • will „auf der Welle surfen“ statt „den einen richtigen Weg“ finden

Analoges Denken erfordert andauerndes Mikro-Feedback aus der Umwelt, auf das mit kleinen Anpassungshandlungen reagiert wird.

 

VUCA-Welt: analoges Denken Planungswelt: digitales Denken
  • Zielkorridore
  • Agiles & bewegliches Handeln
  • Improvisation & Pragmatismus
  • Zulassende Fehlerkultur
  • Vertrauen & Transparenz
  • Beziehungsmanagement
  • Das Ziel steht vorab fest
  • Optimierung des Bekannten
  • Streben nach Effizienz
  • Genaue, detailreiche Pläne
  • Fixe Deadlines
  • Menschen als Funktionen
Hier ist Intuition die Lösung.  Hier ist die Ratio die Lösung.

Manche Meetings brauchen Intuition und analoges Denken

In jedem Unternehmen gibt es Meetings – unabhängig von der Branche. Und manche Meetings verlangen geradezu nach einer Gesprächskultur, die auch intuitiven Gedanken Raum gibt. Zur Illustration vereinfachen wir hier auf zwei Arten von Meetings: Generative Meetings und Planungsmeetings. Nachfolgend dazu eine kurze Charakterisierung.

Generative Meetings Planungsmeetings
  • Kreative Ideen (Produkte, Strategien etc.) generieren
  • Veränderungsprozesse moderieren
  • Überzeugungsarbeit leisten
  • „Onboarding“ neuer Mitarbeiter in einem Projekt
  • Meinungsbildende Prozesse
  • Verantwortlichkeiten klären
  • Deadlines fixieren
  • Report zum Status Quo
  • Dokumentation
  • Quantifizierbare Resultate

Generative Meetings profitieren vom analogen Denken, während Planungsmeetings eher die Qualitäten des rationalen, digitalen Denkens erfordern.

Gruppenintelligenz in generativen Meetings fördern

Wie kann ich das analoge Denken in generativen Meetings fördern? Nur mit einer Gesprächskultur, die auf Vertrauen aufbaut. Denn niemand teilt seine Gedanken in einer Atmosphäre von Misstrauen. Eine förderliche Gesprächskultur zeigt sich in der Achtsamkeit des Einzelnen für sich und die Gruppe. Häufig entsteht aus dieser Kooperation eine Metapher für das gemeinsame Anliegen: „Wir sitzen alle im selben Boot.“ oder „Lasst uns gemeinsam den Gipfel stürmen.“ Eine solche Metapher kann äußerst kraftvoll sein, um die Zugehörigkeit innerhalb der Gruppe zu stärken oder auch die Idee des Anliegens voranzutreiben.

Gift für generative Meetings sind hingegen Statusdenken und ausgeprägte Hierarchien sowie eine Misstrauenskultur, in der man sich argwöhnisch beäugt und in der v.a. über Kontrolle gesteuert wird.

VUCA-Wissen Kompakt-Dossier

Verschaffen Sie sich einen Überblick über das Thema VUCA – und wie Sie die damit verbundenen Herausforderungen meistern können. Folgen Sie einfach den vorgeschlagenen Artikeln am Ende jeder Seite. Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr über Achtsamkeit und zyklische Intelligenz.

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Rundblick: Was agateno sonst noch macht

Workshop Diversity Management: Sexuelle Identität als verstecktes Hemmnis für die Personalentwicklung?

In Zeiten des demografischen Wandels kann sich kein Unternehmen mehr leisten, auf Mitarbeiter aus sogenannten „Minderheiten“ zu verzichten. Unternehmen müssen sich für alle Talente attraktiv machen. Wer das Gefühl hat, sich verstecken zu müssen, kann seine Energie nicht dem Unternehmen zur Verfügung stellen. Vielfalt statt Einfalt heißt deshalb das Motto weitsichtiger HR-Manager. Kundige Personaler und Unternehmensentwickler entdecken, wie sie diese bislang versteckten Potenziale im eigenen Unternehmen erschließen können. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Synnecta bieten wir daher am 4. bis 5. Juli einen einzigartigen Workshop zum Diversity Management mit dem Fokus auf sexuelle Identitäten an.

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Seit mehr als zehn Jahren bietet der HR-RoundTable deutschlandweit praxisnahe Vorträge für einen ausgewählten Kreis an HR-Profis. Am 24. März auf dem HR-RoundTable in Köln konnten wir auf Einladung von Thomas Buck, dem Initiator des HR-RoundTable, unsere Anregungen zur Intuition im Business dort einbringen. Wir danken ihm sowie allen Teilnehmenden für die offene Aufnahme und angeregte Beteiligung.

Der Blätterwald wächst Wort um Wort

Unser Buch-Projekt gedeiht: Führungskräfte aufgemerkt – der Blätterwald rauscht! Die Worte knospen, die ersten Blätter zeigen sich bereits in ganzer Fülle. In den weitläufigen Gärten des Springer Gabler Verlags wird unser jüngster gedanklicher Spross gedeihen. Als klassischer Herbstblüher wird unser Gewächs Ende des Jahres zu voller Blüte kommen. Und welche Früchte wird dieser Baum der (hoffentlich) vielen Erkenntnisse dann tragen? Wir werden berichten! Vielleicht können wir schon in den nächsten Rauchzeichen das Geheimnis des Titels lüften.

 

Nomadin der Neuzeit – Gastbeitrag von Barbara Messer

Die vielfache Autorin, Trainerin und Lebenskünstlerin Barbara Messer lebt derzeit „nomadisch“ in einem Wohnwagen, mit dem sie deutschlandweit zu den Einsätzen fährt. Ein minimalistischer Lebensstil gehört daher zu ihrem täglichen Geschäft. Wir freuen uns, hier einen Gastbeitrag von ihr präsentieren zu können.

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G = D & D

Glück ist gleich Demut und Dankbarkeit. Dies ist eine Formel, die ich irgendwann einmal irgendwo gelesen habe. Jeden Tag in meinem Alltag erfahre ich das immer wieder neu und bestätige es entsprechend sehr gerne.

Seit nunmehr reichlich neun Monaten lebe ich als Nomadin oder Pilgerin – je nachdem, wie ich es betrachte und bewerte. Ein Abenteuer und ein Projekt, in diesem Jahr ganz neue, ungewöhnliche Erkenntnisse zu bekommen, die im normalen Alltagstrott verbleiben. Unter anderem durfte ich vieles vertiefen, was mich vorher schon auszeichnete: die Gabe, mit wenig viel zu bewirken. Diese stammt aus der Erkenntnis und Kraft, schon Weniges schätzen zu können und es dabei als etwas Besonderes und Nicht-Selbstverständliches anzusehen.

Ich habe das von meiner Mutter gelernt, einer Frau, die manch eine Hürde zu überwinden hatte, die andere Menschen nur aus dem Fernsehen kennen. Für mich als Kind zum Beispiel war ein Stück Butter überhaupt nicht selbstverständlich. Jetzt, viele, viele Jahre später, weiß ich, mit welchem Einsatz sie uns Kindern diesen Genuss ermöglichte. Neben der Butter waren es kleine Ausflüge mit dem Rad, um beispielsweise stundenlang in der Nähe von Libellen ein kleines Picknick einzunehmen.

Seit August letzten Jahres lebe ich als  Business-Nomadin, als Jahres-Pilgerin auf ganz unterschiedlichen Wegen.  Und ich bin nicht alleine – denn wir sind zwei Frauen und eine Katze. Ja, genau, eine Katze die mit auf diesem Weg ist. Es gibt unendlich viel, was ich in diesen neun Monaten lernen (und erfahren) durfte. Eine der wichtigsten Erfahrungen bzw. Erkenntnisse möchte ich hier teilen: die Dankbarkeit. Es gibt zwei Beispielsituationen, natürlich neben vielen anderen:

Im Dezember war ich – um meinen Kopf ein wenig zu lüften – ein paar Tage an der stürmisch-regnerischen Ostseeküste. Mit viel Überwindung gelang mir auch an einem der Tage ein eisiger Morgenlauf. Ein Foto, auf dem ich recht durchfroren und durchgeschüttelt (aber auch zufrieden aussah) postete ich bei Facebook. Mit dem Resultat, in weniger als einer Stunde 2 warme Badewannen, eine Dusche und eine Waschmaschinenfüllung in der Nähe angeboten zu bekommen. Andere Angebot kamen  hinzu, eines war zum Beispiel „Ein Haus für einen Monat“. Ohne dass ich darum bat, erhielt ich diese Angebote und „Geschenke“.

Beispiel Nummer 2 stammt vom Heiligen Abend. Ein wenig nachdenklich und voller Geschichten und Emotionen verbrachten wir drei Nomadinnen (incl. Katze) den Heiligen Abend im Harz. Auf der Suche nach dem „optimalen“ Stellplatz führte uns wer weiß wer nach Stiege, ein Ort, den ich von einigen früheren Fahrradtrips in meinem geliebten Ostharz noch peripher kannte.

Wir waren ein wenig melancholisch, neugierig, nachdenklich, aufgeregt, vorfreudig, wie so oft am Heiligabend und parkten dann einfach an dem kleinen See am Rande des Ortes- den Blick auf Enten und das beleuchtete kleine Schloss. Dunkel war es früh. Was bleibt – so ganz in der Fremde – an einem Heiligabend? Dorthin gehen, wo alle sind – damit war dann der Heiligabend-Gottesdienst Programm. Nebenbei sei mir erlaubt zu sagen, dass es keine kulturellen Alternativen zu erkennen gab. Kalt, nass, müde, 5 Euro für die Kollekte in der klammen Tasche des Mantels. Und noch immer ohne Strom und frisches Wasser. Aber nach dem Gottesdienst, wo – so schien es mir – alle Herzen in dieser kleinen Ortschaft warmherzig waren, war es dann ganz leicht, an einem Haus zu fragen, ob wir dort für eine Nacht unsere Kabeltrommel an ihr Stromnetz anschließen dürfen. Und – ob wir sogar noch 3 Gießkannen voller Wasser beziehen können. Mehr wollten wir nicht: den Strom für die Heizung, das Wasser zum Duschen, Trinken und Kochen. Für unsere kleine Toilette nahmen wir sogar das Wasser aus dem See. Das mutete mir sehr romantisch an. Und es schien auch die dortigen Enten nicht zu stören.

Es war einer der schönsten Momente des letzten Jahres, denn wie selbstverständlich bekamen wir alles Gewünschte. Wir blieben dort, in dieser kleinen, beschaulichen Stille am See noch eine zweite Nacht, die Katze war nämlich zu lange stromern und kam nicht wie gewohnt nach ihren kleinen Ausflügen zurück. Wir verabschiedeten uns dann am zweiten Weihnachtstag und waren glücklich über die Einladung, jederzeit wieder zukommen.

Was war das Besondere?

  • Einfach an diesem wunderschönen See dort – ganz alleine – stehen zu dürfen
  • Wasser und Strom zu bekommen
  • wieder einmal zu erfahren, dass diese „Basics“ so viel Luxus sein können
  • die Freude der Menschen zu erleben, dass wir ihren Ort schätzen und schön finden
  • das „Um-Wasser-zu-fragen“ zu wagen
Danke, Barbara Messer, für diese schöne und persönliche Geschichte. Dem wollen wir nur ein paar Linsen hinzufügen.

Der Reichtum der Linsen

Zum Abschluss noch eine Geschichte aus dem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay. Sie berichtet von Diogenes, der eines Tages essend über einem Teller Linsen sitzt, als er von einem Minister des Kaisers aufgesucht wird. Mitleidig sagt der Minister: „Wie bedauerlich, Diogenes, dass du nicht lernst, dem Kaiser ein bisschen mehr zu schmeicheln. Dann müsstest du nicht jeden Tag diese billigen Linsen essen!“ – Diogenes hält kurz inne und erwidert: „Bedauerlich für dich, Bruder, dass du nicht lernst, ein paar Linsen zu essen. Dann müsstest du nicht so unterwürfig sein und ständig dem Kaiser schmeicheln.“ – Genügsamkeit als Schlüssel zur Freiheit. Danke, Diogenes!

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