Feedback – Bonusmaterial zum Buch

Bonusmaterial zum Buch: Feedback auf Augenhöhe

Die Essentials beim Thema Feedback im Unternehmen: Wie Sie Ihre Mitarbeiter erreichen und klare Ansagen mit Wertschätzung verbinden.

Bonusmaterial für unser gleichnamiges Buch aus dem Fachverlag Springer Gabler.

Beispiele zu den Logischen Ebenen (nach Robert Dilts) im Feedback (Kapitel 2.1 im Buch)

Ebene + zugehörige Kernfrage Selbstbezug Feedbackgeber Bezogen auf den Feedbacknehmer
(1) Kontext

Wo, wann, mit wem?

Wann und wo findet das Feedback statt? Auf welche Fakten stütze ich mein Feedback? Um welchen Zeitraum oder welche Ereignisse genau geht es?
(2) Verhalten

Was genau?

Was möchte ich tun und sagen? Auf welches konkrete Verhalten beziehe ich mich? Auf was genau bezieht sich mein Feedback? Was genau hat mich gestört bzw. möchte ich anmerken?
(3) Fähigkeiten

Wie genau?

Auf welche meiner Fähigkeiten möchte ich mich stützen bzw. besinnen (während ich das Feedback gebe)? Was schließe ich aus meinen Beobachtungen bezogen auf die Fähigkeiten und Kompetenzen des Feedbacknehmers? – Machen Sie sich bewusst, dass Sie dessen Fähigkeiten nicht direkt sehen können, sondern diese aus seinem Verhalten nur ableiten.
(4) Werte, Einstellungen, Vorannahmen

Warum?

Was ist mir wichtig daran, jetzt Feedback zu geben? Was möchte ich sicherstellen? Wie denke ich grundsätzlich über Mitarbeiter? Wie speziell über diesen? Vorsicht – dünnes Eis! Halten Sie sich zurück mit Vermutungen über die Werte des anderen. Reflektieren Sie Ihre eigene Position, um mit größerer Klarheit sprechen zu können.
(5) Identität

Als wer?

Aus welcher Position bzw. Identität heraus gebe ich das Feedback? – Machen Sie dies in Ihrer Formulierung deutlich, damit es keine Verwechslung auf dieser Ebene gibt. Nutzen Sie ggf. die Gelegenheit, zwischen persönlicher und professioneller Perspektive zu differenzieren. Als wen spreche ich den anderen an? An welche (berufliche) Identität möchte ich ihn erinnern?
(6) Mission, Zugehörigkeit

Wozu?

Höherer Zweck: Was ist der eigentliche Zweck des Gesprächs – der tiefere Nutzen hinter dem (oberflächlichen) Anlass? Um was geht es mir eigentlich? Um was geht es aus Sicht des Systems – also des Unternehmens bzw. der Organisation? Welchem Zweck dient dieses Gespräch aus Sicht des Systems?

Gemeinsame Mission: Welche gemeinsame Mission verbindet uns? Was wollen wir gemeinsam im Unternehmen / in diesem Projekt erreichen? Wozu fühlen wir uns beide zugehörig?

Übung: Einfache Basispräsenz (Kapitel 2.2 im Buch)

Auf der Webseite zu unserem Selbstcoaching-Ratgeber für Fach- und Führungskräfte („Selbstführung: Auf dem Pfad des Business-Häuptlings“) finden Sie eine gesprochene Anleitung der im „essential“ vorgestellten Präsenzübung. Dies erleichtert gerade zu Beginn den Zugang zu dieser einfachen Übung.

Übung Basispräsenz (Audio-Anleitung)

Übung: Falsches Feedback verbessern (Kapitel 3.2 im Buch)

Hier finden Sie unsere Vorschläge und „Lösungen“, wie die unglücklich formulierten Aussagen aus dem Buch verbessert werden können. Variationen bzw. austauschbare Situationen sind in [eckigen Klammern] dargestellt. Bei den nachfolgenden Beispielen fehlt natürlich der Kontext – der einen großen Unterschied dabei machen kann, ob die ursprünglichen (oder auch die unten dargestellten „verbesserten“) Aussagen angemessen formuliert sind.

  1. Aussage: Stolperstein: Verallgemeinernde Aussage, die darüber hinaus noch überbetont wird („sehr“). – Besser formuliert: „Ich habe Sie zuletzt im Meeting als unkonzentriert erlebt. Sie schienen mit Ihren Gedanken woanders zu sein. Das ist mir auch schon bei einigen anderen Besprechungen aufgefallen. Ist mein Eindruck richtig – oder vertue ich mich da?“
  2. Aussage: Stolperstein: Starke Verallgemeinerung („immer“) und Unterstellung („unmotiviert“). Besser formuliert: „Ich habe kürzlich [bei der Team-Sitzung] Ihren Einsatz vermisst.“
  3. Aussage: Stolperstein: Die motivunterstellende Frage „Warum?“ führt in aller Regel zu Rechtfertigungsdruck beim Angesprochenen. Interessiert man sich für die Gründe einer Entwicklung oder eines Ergebnisses ist es besser, zu fragen: „Wie kam es dazu?“. Außerdem klingt „Sie haben verloren“ nach Schuldzuweisung. – Besser formuliert: „Wir lagen doch ganz gut im Rennen – was ist geschehen?“
  4. Aussage: Stolperstein: Starke Verallgemeinerung („immer“) und damit höchstwahrscheinlich faktisch falsch. Außerdem: Ist „zu spät“ tatsächlich von allen Beteiligten gleich definiert? Gab es immer eine spezifische vereinbarte Uhrzeit? Häufig gibt es auch gute Gründe, warum jemand die vereinbarte Uhrzeit nicht einhalten kann. – Besser formuliert: „Bei den letzten gemeinsamen Team-Meetings sind Sie erst nach dem offiziellen Beginn eingetroffen. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam anfangen. Bitte seien Sie zukünftig zur vereinbarten Zeit vor Ort. Oder gibt es etwas, das wir berücksichtigen müssen?“
  5. Aussage: Stolperstein: Herabwürdigende und verallgemeinernde Zuschreibung („engstirnig“), die leicht als Angriff auf der Identitätsebene verstanden werden kann (im Sinne von „Sie sind engstirnig“). – Besser formuliert: Das konkrete Verhalten beschreiben, auf das sich der Sprecher bezieht. Beispiel: „Sie beharren meiner Auffassung nach sehr auf Ihrem Standpunkt. Ich möchte vermeiden, dass wir uns in Positionskämpfen aufreiben. Bitte lassen Sie uns noch einmal schauen, wie wir ein gemeinsames Verständnis entwickeln können.“
  6. Aussage: Stolperstein: Der Sprecher versteckt sich hinter einer anonymen und gesichtslosen „man“-Formulierung. – Wer genau hat davon berichtet? Um welche spezifischen Themen oder Angelegenheiten geht es genau? – Ob diese als „Problem“ zu definieren sind, ist ggf. erst zu klären. – Besser formuliert: „Ich möchte dazu Ihre Perspektive kennenlernen. Wie können wir den Kunden zufriedenstellen?“
  7. Aussage: Stolperstein: Viel zu pauschales und unspezifisches Urteil mit negativen Konnotationen – und Unterstellungen. Was genau meint „lockerer“? Und was genau heißt „besser zurecht“? Letzteres unterstellt, dass der Grund für die Unstimmigkeit v.a. beim Angesprochenen liegt. – Besser formuliert als Frage: „Was schlagen Sie vor: Was müsste geschehen – und v.a. auch: Was können Sie dazu beitragen, dass die angesprochenen Unstimmigkeiten zwischen Ihnen und Ihren Kollegen zukünftig weniger heftig sind?“
  8. Aussage: Stolperstein: Psychologisierung auf der Identitätsebene – das sprichwörtlich dünne Eis. Es braucht eine sehr gute Vertrauensbasis, damit diese Aussage nicht als grenzüberschreitend erlebt wird. – Gegenfrage zur Prüfung der Angemessenheit: Dürfte der Angesprochene eine ähnliche Aussage auch über den Sprecher machen? – Besser formuliert: „Ich erlebe Sie häufig als zurückhaltend, still und nachdenklich. Zuletzt ist mir das aufgefallen in der Situation […]“
  9. Aussage: Stolperstein: Eine Bewertung ohne bewertende Instanz – wer behauptet, dass es ein „enttäuschendes Abschneiden“ war? – Besser formuliert: „Ich war enttäuscht davon, wie Sie dieses Projekt gehandhabt haben. [Aus meiner Sicht sind die Zahlen aus diesem Projekt enttäuschend.] – Wie schätzen Sie das Ergebnis ein? Und wie erklären Sie sich die Resultate?“
  10. Aussage: Stolperstein: Ein nettes Lob, das in vielen Fällen gern genommen wird. Es ist leider sehr unspezifisch (Was genau soll beibehalten werden?) und in der Formulierung paternalistisch („von oben herab“). – Besser formuliert: „Also wie Sie dieses Projekt gemeistert haben – das hat mir imponiert. Besonders Ihre Durchsetzungsfähigkeit bei den zwischenzeitlichen Qualitätsproblemen durch den Zulieferer fand ich klasse.“
  11. Aussage: Stolperstein: Nach der langen Erklärung wird nicht gefragt, was der Angesprochene davon auch verstanden hat – und welche konkreten Handlungen sich daraus für ihn ergeben. – Besser formuliert: „Wüssten Sie jetzt, was Sie konkret anders machen können? Lassen Sie uns drei Vereinbarungen festhalten, um einen nachhaltige Veränderung zu unterstützen. In einigen Wochen können wir dann schauen, ob es die gewünschten Effekte hat.“
  12. Aussage: Stolperstein: Herabwürdigende Verallgemeinerung auf der Identitätsebene, die impliziert: „Sie sind nicht aus Schrot und Korn“ – mit den entsprechend negativen Konnotationen. Zudem vage und unspezifisch – was heißt „Schrot und Korn“ in diesem Fall? Immerhin wurde die Aussage aus der „Ich-Perspektive“ formuliert („ich bezweifle“). – Besser formuliert als Frage: „Sind Sie sich sicher, dass Sie diesen Anforderungen gewachsen sind?“ – Falls nötig ergänzt um: „Ich bin ehrlich gesagt skeptisch, dass Sie dazu derzeit schon in der Lage sind. Meines Erachtens sollten Sie vor einer Aufgabe wie dieser noch an sich arbeiten – v.a. im Bereich [Selbstorganisation / Verhandlungsgeschick/ …]. Ihren Kollegen Herrn Schulze schätze ich derzeit insgesamt für diese jetzige Aufgabe als stärker ein.“
  13. Aussage: Stolperstein: Generalisierung – und vermeintliche Lösungsweg viel zu unspezifisch. Was genau machen die Kollegen anders / besser?
  14. Aussage: Stolperstein: Anonymes Hörensagen – zudem sehr vage formuliert. Darüber hinaus aus einem Lebensbereich, der Privatsache ist –relevant nur, wenn dies Auswirkungen auf den beruflichen Bereich hat. Und vor spekulativen Vermutungen sollte immer erst die konkrete Handlung [z.B. auch mangelnde Leistung] thematisiert werden. Besser formuliert (wenn es angesprochen werden soll): „Ich habe mit Kollegen aus Ihrem Team gesprochen. Sie sind auch in den letzten Monaten häufiger zu spät zur Arbeit erschienen [konnten Ihr Soll nicht erfüllen / haben fehlerhafte Berichte abgeliefert]. – Wie ist Ihre Perspektive darauf? Gibt es etwas, über das wir sprechen sollten oder das ich wissen sollte? Manchmal können einen ja auch private Themen ganz schön mitnehmen…“ – So ‚nebenbei‘ formuliert hat der Angesprochene viel leichter die Chance, seine Perspektive – und ggf. auch den privaten Bereich – zu schildern. Wichtig auch: Nicht zwischen Tür und Angel, sondern mit Ruhe im geschützten Rahmen.
  15. Aussage: Stolperstein: Zu generalisierend – selbst wenn von objektiven Kriterien gestützt. Zudem: Wer sagt das? Wer ist die bewertende Instanz? – Außerdem: Besser als der mit stark negativen Assoziationen besetzte Begriff „schlecht“ könnte sein: „aus meiner Sicht enttäuschend“, „… nicht zufriedenstellend“, „… unter den Erwartungen“. Zudem enthält die Aussage den problematischen Begriff „warum“ (s.o.).Weitere Möglichkeit: Fragen statt sagen: „Wie schätzen Sie die Entwicklung der letzten beiden Quartale ein?“ – Ergänzt bei Bedarf um eine Vereinbarung: „Bitte lassen Sie uns vereinbaren, dass Sie zukünftig frühzeitig zu mir kommen, wenn Sie größere Abweichungen [ggf. spezifisch angeben, sofern möglich] von der Planung feststellen. In Ordnung?“
  16. Aussage: Stolperstein: Zwar „nett“ – aber auch sehr unspezifisch. Die Aussage enthält weder ein Potenzial zur Verbesserung noch zur Bestärkung von (spezifischen) guten Aspekten.

Weiteres Bonusmaterial: Beispiele für angemessen formuliertes Feedback.

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